Ehemaligen Verdingkindern wird Rente gekürzt – ein weiteres schlimmes Kapitel unserer Vergangenheit mit den Verdingkindern

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Vor drei Jahren beschloss das Parlament auf Druck hin, ehemaligen Verdingkinder einen einmaligen Solidaritätsbeitrag von Fr. 25’000.00 auszurichten. Nun kommt für viele Rentnerinnen und Rentner die böse Überraschung: Bezügern von Ergänzungsleistungen wird die Rente gekürzt.

Gemäss revidiertem Ergänzungsleistungsgesetz wird bei Einzelpersonen bei einem Vermögen von mehr als Fr. 37 500.00 und bei Ehepaaren von mehr als Fr. 60 000.00 eine Kürzung bei den Ergänzungsleistungen vorgenommen. Nun fordern die Ausgleichskassen bei den Rentnerinngen und Rentner, die den Solidaritätsbeitrag erhalten haben und deren Vermögen somit grösser ist, Geld zurück und kürzt die Ergänzungsleistungen. Demjenigen dem es etwas besser geht und nicht auf die Ergänzungsleistung angewiesen ist, der hat dann den vollen Betrag zur Verfügung. Das darf so nicht sein.

Der Schweizerische Verband für Seniorenfragen kann diesen Entscheid nicht nachvollziehen und fordert den Bundesrat im Namen der Seniorinnen und Senioren auf, diese juristische „Spitzfindigkeit“ sofort zu korrigieren.

Es darf nicht sein, dass ehemalige Verdingkinder, die so viel Leid erfahren haben, nun zwei Mal bestraft werden. Diese Seniorinnen und Senioren leben meist in bescheidenen Verhältnissen und sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Der hart erkämpfte Solidaritätsbeitrag von Fr. 25 000.00 ist ohnehin, wenn man das Leid betrachtet, die diesen Menschen zugefügt wurde, eine sehr bescheidene Genugtuung. Und nun kommt der Staat wieder und holt bei diesen Menschen ein Teil des Geldes zurück! Dies ist unserer Schweiz nicht würdig, dies auch in Anbetracht der Bundesgelder, die für andere Zwecke in grossem Mass ausgegeben werden.

Der Schweizerische Verband für Seniorenfragen wird sich politisch und gesellschaftlich mit allen Kräften einsetzen, dass die ehemaligen Verdingkinder zu ihrem Recht kommen und den vollen Solidaritätsbeitrag ohne Kürzung der Ergänzungsleistungen erhalten.

 

 

Eine Antwort

  1. Theresia Engeler - Bisig
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    Das darf es doch nicht geben! Typisch schweizerisches Fürsorgeverhalten! Mit der einen Hand geben und der anderen Hand nehmen! Scheinheilig! Das ist nun das schlimmste Tüpfelchen aufs i des früheren Skandals, mit der unglaublich menschenverachtenden Behandlung von Heim- und Verdingkindern, wie übrigens auch anderen Kindern in dieser Zeit umgegangen wurde. Mit Geld kann man natürlich gar nichts gut machen, aber vielleicht ein bisschen die Not lindern.
    Auch heute müssen wir die Augen und Ohren offen halten und mutig gegen eine herzlose und nicht kindgerechte Behandlung z.B. von fremdplatzierten Minderjährigen mutig einstehen. Das geht uns alle an! Sonst ‚bezahlen‘ (nicht nur Geld!) kommende Generationen bitter dafür! Es ist immer besser Leid zu verhindern, als nachher zum Wohl der geplagten Menschenseelen teure Therapien und ver-rückte Wiedergutmachungsaktionen zu starten. Eigentlich sollten wir schon lange durch Erfahrung klug geworden sein. Nicht?

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