Risiko Senioren: wir tragen das Risiko!

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Ab Alter 65 ist Mann oder Frau ein Risiko und muss weggesperrt werden?  Wenn man in diesen Tagen – allein und unter Einhaltung aller Abstandsvorschriften – irgendwo in der Schweiz unterwegs ist, muss man mit bösen Blicken und bösartigen Kommentaren rechnen.

Es ist eigenartig: bei uns Seniorinnen und Senioren gibt es kein Pardon: wir bringen Euch nach Hause, was ihr zum Leben braucht. Verhaltet euch unauffällig und vor allem bleibt zu Hause. Kaum jemand ist bereit, den zweiten Satz von Bundesrat Berset zu hören: *Geht an die frische Luft, allein und ohne in die grosse Menge zu kommen».

Es ist eine ambivalente Situation: Man will uns Seniorinnen und Senioren nicht mehr sehen – aber wir werden für Euch schauen». Das heisst auf gut deutsch: macht uns Platz, Ihr hindert uns nur am Leben. Eine derartige Diskriminierung eines ganzen Teils der Bevölkerung – die Personen über 65 Jahren stellen 24 Prozent der gesamten Bevölkerung – ist unerhört und eigentlich nach Bundesverfassung Artikel 8 verboten. Es werden auch abstruse Behauptungen aufgestellt: die Seniorinnen und Senioren bestimmen das politische Leben in der Schweiz – man sollte ihnen eigentlich das Stimmrecht entziehen (Steuern bezahlen dürfen sie weiterhin). Im Parlament in Bern sitzen ganze 2 von 246 Volksvertretern mit Alter über 65 Jahren.  Was da das Gerede von der Übermacht der Alten soll, kann niemand sagen.  Man sucht Ausreden und Schuldige – ein klassisches Muster. Senioren-Bashing ist normal geworden – in Tageszeitungen und TV-Beiträgen wird das beinahe täglich nachgebetet.

Zum Schluss noch eine Frage:  welches Risiko sind wir Senioren für die Bevölkerung? Wir tragen das Risiko, nicht die Gesellschaft. Und lasst uns doch auch die Chance, dieses Risiko verantwortungsvoll und in Eigenverantwortung zu leben. Denn mit Alter 65 verliert man nicht automatisch den gesunden Menschenverstand. – der wäre auch bei jüngeren Mitmenschen manchmal dringend nötig.

Unsere Bitte: lasst uns die Krise gemeinsam lösen und nicht gegeneinander.

Karl Vögeli

Präsident SVS

Eine Antwort

  1. Bea Heim
    | Antworten

    Das ist die Pressemitteilung, wie sie der SSR heute morgen verschickt hat. Beste Grüsse Bea Heim
    Bern, den 29. April 2020 / DE
    Die Alten sind kein Risiko, sondern gefährdet!
    Ältere Personen werden z.B. beim Einkaufen oft scheel angeschaut mit dem unausgesprochenen oder sogar direkten Vorwurf, sie hätten zu Hause zu bleiben, denn sie seien ein Risiko. Dabei schwingt die Angst mit, dass sie eine Gefahr für andere darstellen könnten. Fitnesscenters erwägen zu öffnen ohne ‘Risikogruppen’. Der Coiffeurmeisterverband hat ein Merkblatt veröffentlicht, wonach die Coiffeure entscheiden sollen, wen sie behandeln. Der ‘Blick’ deutscht dies aus, indem er sagt, die Coiffeure würden Risikogruppen nicht bedienen.
    Der Begriff Risiko wird umgedreht: Ein Risiko eingehen bedeutet, man setzt sich einer Gefahr für sich selber aus. Die Verwechslung wirkt stigmatisierend.
    Das BAG zählt zu den Gruppen, die einem erhöhten Risiko leben, generell Menschen über 65 Jahre und solche mit bestimmten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Lungenproblemen etc. Mehr und mehr Untersuchungen zeigen jedoch, dass nicht das Alter das grosse Risiko darstellt, sondern die Vorerkrankungen, die im Alter deutlich zunehmen.
    Der Schweizerische Seniorenrat hat die ältere Bevölkerung aufgerufen, sich zurückzuhalten und wenig Risiken auf sich zu nehmen. Er fordert jedoch auch zu einer differenzierten Betrachtung auf: Die Zeitspanne zwischen 65 Jahren und – sagen wir – 100 Jahren umfasst 35 Jahre. Selbstverständlich sind die Sicherheitsmassnahmen einzuhalten, es gibt jedoch keinen Grund, gesunde alte Menschen anders zu behandeln als jüngere.
    Schweizerischer Seniorenrat SSR
    Das Copräsidium :
    Bea Heim & Roland Grunder

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