Fragwürdige Statistik über Senioren-Verkehrsunfälle

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von Maximilian Reimann, Nationalrat, Gipf-Oberfrick

Wieder einmal hat eine Bundesstatistik über Strassenverkehrsunfälle die Senioren-Autofahrer in schlechtes Licht gerückt. Danach gab es letztes Jahr auf Schweizer Strassen 53‘000 mittelschwere bis schwere Strassenverkehrsdelikte. Davon wurden 1‘700 von Lenkern über 70 Jahren verursacht, doppelt so viele als zehn Jahre zuvor. Daraus wurde von diversen Journalisten und Social-Media-Kommentatoren der Schluss gezogen, es sei falsch, das Alter für die verkehrsmedizinische Untersuchung von 70 auf 75 Jahre anzuheben, denn Senioren seien und bleiben eine potenzielle Gefahr im Strassenverkehr.

Trifft dieser Schluss zu? Ich meine besten Gewissens, das ist massiv übertrieben. Das sind ja nicht einmal 4 % aller Unfälle, die von Ü-70-jährigen verursacht werden. Gemessen am Total der Senioren, die weiterhin Auto fahren, also unterdurchschnittlich wenig. Wenig sachdienlich ist es auch, dass das Bundesamt für Strassen in seiner Statistik nicht unterscheidet zwischen Unfallverursachern unter und über 75-jährig. Alter 75 ist ab Ende Jahr ja die relevante Bezugsgrösse und nichts anderes. Zudem wäre es sinnvoll, wenn das Bundesamt auch unterschieden hätte zwischen inländischen und ausländischen Senioren-Unfallverursachern. In unseren Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Österreich gibt es bekanntlich keine Medizinalchecks wie bei uns. Dort herrscht primär Eigenverantwortung. Das Verkehrsvolumen hat aber nachgerade aus dem Ausland überdurchschnittlich zugenommen, auch von wegen Personenfreizügigkeit. Und schlicht nicht zu vergessen: Die demografische Bevölkerungsentwicklung führt logischerweise dazu, dass der Anteil der älteren Bevölkerung zunimmt, so auch im Strassenverkehr.

Das grösste Gefahrenpotenzial auf unseren Strassen geht aber weiterhin von den Neu- und Junglenkern aus. Medial aufgebauscht werden vor allem aber Unfälle von Senioren. Das grenzt ja förmlich an Diskriminierung von Alters wegen. Jeder Unfall ist natürlich einer zu viel. Aber wollte man auf Null kommen, käme man um ein generelles Verkehrsverbot nicht herum und das ist ja nicht einmal das Ziel der grössten Anti-Strassenverkehrs-Ideologen. Unverzeihlich, ja kriminell ist es,  wenn sich Leute – auch Senioren –  trotz Fahrausweisentzug ans Steuer setzen. Da weist die neue Statistik zu Recht auf einen besonders wunden Punkt hin und zum Kampf dagegen aufgefordert sind hauptsächlich die Polizei und das persönliche Umfeld!

Maximilian Reimann, Nationalrat SVP, Gipf-Oberfrick

 

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