«Alt werden ist nichts für Feiglinge»

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300 Zuhörer wohnten am Mittwoch letzter Woche der 15. Alterstagung des Zürcher Senioren- und Rentnerverbandes (ZRV) im Volkshaus bei. Von den Referenten liessen sie sich sagen, wie Gesundheitskosten eingespart werden können. Doch der Weg dahin ist noch weit.

Silvio Seiler

In ihrer Begrüssungsrede zeigte sich ZRV-Präsidentin Cäcilia Hänni erfreut darüber, dass sich 300 Zuhörer interessiert an der Konferenz unter dem Titel «Können wir uns die Gesundheit noch leisten» zeigten. Hänni folgerte zum 84-Milliarden-Geschäft Schweizer Gesundheitswesen: «Der Anstieg der Krankenkassenprämien ist so sicher wie Weihnachten im Dezember. Wollen wir das ändern?» Referenten waren Willi Oggier (Gesundheitsökonom), Reto Dahinden (CEO Swica), Preisüberwacher Stefan Meierhans und Susanne Hochuli, die Präsidentin der Stiftung SPO Schweizerische Patientenorganisation. Moderiert wurde der Anlass vom früheren SRF-Mann Anton Schaller.

Hochuli erwähnte, wie lange Seniorinnen und Senioren Prämien für die obligatorische Kranken- und Pflegeversicherung bezahlt und damit das adipöse Gesundheitswesen mitgefüttert hätten. Und heute würde dieser Kreis als Kostenfaktor der Gesellschaft bezeichnet. Die zwei letzten Lebensjahre sollen hauptverantwortlich für den Anstieg der Gesundheitskosten sein. Die Gesundheitspolitikerin erschreckte das Publikum mit der Aussage einer 76-Jährigen, die zweimal schwer an Brustkrebs erkrankt war: «Alt werden ist nichts für Feiglinge.»

Politik befangen

Die SPO, so Hochuli, vertrete auch auf politischer Ebene Rechte und Interessen von Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen. Im Vergleich zu Menschen aus anderen OECD-Ländern griffen die Schweizer am tiefsten in die Tasche. Dass die Politik hinterherhinke, sei begründet. 13 Mitglieder der ständerätlichen Gesundheitskommission hätten 28 Mandate im Gesundheitswesen auf sich verteilt. Im Nationalrat teilten sich 25 Mitglieder 62 entsprechende Mandate. Nur 2 Gesundheitspolitiker im Ständerat und 3 im Nationalrat verfügten über kein solches Mandat. So würden 38 kostendämmende Massnahmen, die in einem Bericht des Bundesrates aufgeführt sind, schwer realisiert. Warum weiter an der Kostenspirale im Gesundheitswesen gedreht wird, zeigte Hochuli an Beispielen auf: 16 000 unnötige Knieoperationen für 70 Millionen Franken, 20 Milliarden Franken, die zu viel in zu viele Spitäler investiert werden, mehrfach unnötige Untersuche, Behandlungen und Therapien, weltweit die meisten MRIs und CTs.

Überteuerte Medikamente

Preisüberwacher Meierhans forderte im Prämienbereich mehr Wettbewerb. Sorgen bereiten ihm vor allem abnehmende Solidarität der Gesunden mit den Kranken sowie den Jungen mit den Alten. Wo beispielsweise bei den Gesundheitskosten zu sparen wäre, zeigte er auf – bei Medikamenten. So nannte er ein Produkt, das in der Schweiz gegen 30 Mal mehr kostet als in Holland. In unserem Land will er klare, einheitliche Richtlinien. So beispielsweise auch in Alters- und Pflegeheimen. Kantone sollten dabei Pflegekosten aller Alters- und Pflegeheime vollständig finanzieren.

Reto Dahinden von der Swica verlangte mehr Eigenverantwortung der Versicherten und Massnahmen für die Gesundheitskompetenz. Mit schlankeren Strukturen können die Krankenkassenprämien im Griff behalten werden. Gesundheitsökonom

Willi Oggier sprach sich für Notfall- Strukturen in ländlichen Gebieten, für eine stärkere Digitalisierung der Versorgung, teilstationäre Leistungen in Psychiatrie und Reha sowie für eine bessere Ausbildung bei komplexen Leistungen aus. Auch er forderte mehr Eigenverantwortung.

Preisüberwacher Meierhans forderte im Prämienbereich mehr Wettbewerb. Sorgen bereiten ihm vor allem abnehmende Solidarität der Gesunden mit den Kranken sowie den Jungen mit den Alten. Wo beispielsweise bei den Gesundheitskosten zu sparen wäre, zeigte er auf – bei Medikamenten. So nannte er ein Produkt, das in der Schweiz gegen 30 Mal mehr kostet als in Holland. In unserem Land will er klare, einheitliche Richtlinien. So beispielsweise auch in Alters- und Pflegeheimen. Kantone sollten dabei Pflegekosten aller Alters- und Pflegeheime vollständig finanzieren.

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